Interview mit Janice Dixon
ausgedruckt in "So you Wanna Sing in Germany" von Paul Bellantoni

Was brachte dich erstmals nach Deutschland, um dort zu singen?

Ich kam das erste Mal nach Deutschland aufgrund einer Audition, die ich für Professor Götz Friedrich, dem Intendanten der Deutschen Oper Berlin gemacht hatte. Er hatte einige Leute in Paris angehört, wo wir gerade mit "Porgy and Bess" auf Tournee waren und engagierte mich nun für seine Produktion in Berlin am Theater des Westens.

Du musst wissen, davor hatte ich nur einige wenige Jobs. Wenige und viel Zeit dazwischen, ehrlich! Egal, ich machte nun diese Porgy and Bess-Produktion, die übrigens die beste war, die ich je gemacht hatte, auß er der an der Met, und ich habe einige Porgy and Bess-es in meinem Leben gesungen! Und dann habe ich mir geschworen , dass ich nie wieder eine andere Bühnenversion von P&B machen würde, und so war es.

In der Zeit, als ich hier nach Deutschland rüberkam, hatte ich die Hoffnung eine Art von "richtiger" Karriere zu beginnen. Nicht zwei Mal im Jahr singen und den Rest des Jahres eine Versuchskarriere. Ich wollte ein festes Engagement. In Amerika hat das nicht geklappt. Als ich dann in Mannheim vorgesungen habe, und sie mich engagieren wollten, habe ich den Job natürlich angenommen. Das war übrigens mein allererstes Vorsingen in Deutschland und ich wurde engagiert. Cool, huh? Es war ein Gottes Geschenk, ich weiß das.

Arbeitest du regelmässig, als Gast oder in einem Festengagement?

Ich war nicht so lange in einem festen Engagement am Nationaltheater Mannheim, nämlich von 1989 bis 2000. Das gibt es in Amerika nicht, ein Festengagement bedeutet eine regelmässige Arbeit mit vielen Vorteilen und möglicher Unkündbarkeit. Wer würde das nicht tun?

Dann war ich Fester Gast von 2000-2004, danach nur noch Gast (bezahlt pro Vorstellung). Ich glaube, man kann sagen, dass ich seit 2004 freiberuflich arbeite. Ich habe drei Intendanzen im Mannheimer Theater miterlebt und jetzt beginnt die Vierte!

Ich bin schon so lange in Mannheim, dass man mich gefragt hat, als man eine Zusammenstellung bekannter Persönlichkeiten von Mannheim und Umgebung plante, ob ich dabei sein wollte. Stell dir vor , mit im selben Buch wie "Die Söhne Mannheims" und Xavier Naidoo. Das Buch heiß t "Töne Mannheims" von Nicole Simon und ist auf dem Markt erhältlich. Deins ist nun das zweite Buch. Ich fühle mich geehrt.

Ich bin also eine Art "Berühmtheit" in Mannheim. Sie sagen, dass sie mögen, was ich tue, deshalb werde ich weitermachen, so lange der liebe Gott mich machen lässt.

Arbeitest du noch in den Vereinigten Staaten?

Nein, ich arbeite nicht in den Staaten. Ich würde gerne, wenn sie mich ließ en, aber es gibt viel Eifersucht und Neid dort drüben und manche verübeln mir, dass ich in einem fremden Land Arbeit gefunden habe und immer noch Arbeit habe. Weiß t du, es geht im Grunde nur darum zu überleben, und zwar auf die beste Art und Weise. Sie haben mich hier akzeptiert, lassen mich tun, was ich tun möchte, genieß en es und geben mir Geld dafür.

Heute , in den Zeiten von Terrorismus, glaube ich, erwartet man von mir, dass ich nach Hause (nach Amerika) komme, mich vor den Fernseher setze, mittellos, und um Arbeit bettle oder Wohlfahrtschecks sammle, weil ich eine amerikanische Staatsbürgerin bin. Mir ist das Amerikanische noch am Nächsten, aber ich bin nicht dumm, und mein Gesang ist für jeden, für jeden, der es zu schätzen weiß .

Nun Schluss mit der Predigt. Wo war ich stehengeblieben?

Arbeitest du in anderen europäischen Ländern?

Gelegentlich.

Wie lange, denkst du, wirst du in Deutschland bleiben? Wirst du dort in Rente gehen?

Ich weiß noch nicht, ob ich bleibe oder gehe. Im Moment habe ich mir mein Zuhause dort drüben geschaffen als ganz normaler Mensch . Diese Zeit , dort drüben, hat mir die Chance geboten andere Kulturen kennenzulernen, zu reisen, Menschen zu treffen und auch eine Art Botschafterin zu sein.

Hast du irgendwelche Bedenken gegenüber deiner Zeit in Europa?

Ich bereue es überhaupt nicht, hierher gekommen zu sein. Ich hätte in den Staaten nie diese Art von Karriere machen können.

Was gefällt dir am deutschen System, im Gegensatz zum amerikanischen?

Ich schätze das soziale Sicherheitsnetz. Es beginnt sich zwar langsam zu verändern, aber jeder muss hier abgesichert sein, ob er es selbst aufbringen kann oder nicht. Das ist eines der besten Dinge im deutschen System.

Was magst du nicht so gerne am deutschen System?

Ich bleibe dabei nur positive Dinge zu sagen, Paul. Ich möchte nicht als jemand gesehen werden, der eine Kultur schlecht redet.

Wie hat sich die Opernszene verändert, seit du dort angekommen bist?

Die Opernszene hat sich defintiv verändert. Als ich nach Deutschland kam, war das gerade der Beginn vom Ende einer ära. Ich konnte noch etwas von den älteren Kollegen in ihren besten Jahren erfahren, vieles herauspicken, was auf und hinter der Bühne wichtig ist und ich fand heraus, was es wirklich bedeutet, diesen Beruf auszuüben. Sie haben mir in jeder Beziehung geholfen. Dieser "Sänger-Typus" ist fast ausgestorben, weil das System es nicht zulässt, diese Sänger unkündbar zu machen, und das ist eine Schande. Der Trend scheint: jung und billig. Das ist natürlich eine Verallgemeinerung, aber es passiert häufig.

Ein anderer Punkt ist , dass das äuß ere in Allem eine groß e Rolle spielt, weil immer mehr Regisseure immer mehr Kontrolle bekommen. Ich denke, das ist wichtig, aber lasst uns doch bitte nicht das Singen vergessen! (Oh, boy, und das tun sie sehr oft.) Deutsche Häuser schließ en sich zusammen, und die Mittel werden knapper und knapper; es wird für Ausländer schwerer werden, Jobs zu bekommen.

Hast du irgendwelche Beobachtungen über die junge Generation amerikanischer Sänger gemacht, die du gesehen oder mit denen du gearbeitet hast?

Nicht wirklich. Amerikaner sind dafür bekannt, gut vorbereitet zu sein.

Kannst du jungen amerikanischen Sängern, die versuchen ins deutsche System hineinzukommen, irgendwelche Ratschläge mitgeben?

Mein Rat an euch ist : Geht los und versucht es, weil es immer eine Chance gibt, auch wenn die Ausbeute mager zu sein scheint. Es hat so viele Reformen gegeben, sowohl im Gesangsbereich wie auch in der gesamten Bundesrepublik. Gesundheit, Steuern, der Euro. Anfängergehälter sind nicht mehr das, was sie mal waren und die Gagen sind insgesamt niedriger. Das spielt alles eine Rolle. Ich denke, man sollte auch, bevor man rübergeht, sprachlich besser vorbereitet sein, zumindest zu 50 Prozent. Man sollte das singen, was einem liegt, weil man natürlich Freude daran hat und es liebt, aber man muss auch wissen, dass man gebeten werden könnte (sehr wahrscheinlich) eine Reihe von Dingen zu singen, die einen nicht so glücklich machen.

Und vor allem: Habt Geduld! Ja, manchmal kann es ganz schnell gehen, aber das ist nicht der Normalfall. Wenn ihr jedoch keinen Job bekommt, und bevor ihr nun 40 Jahre alt seid und es fünf bis zehn Jahre versucht habt, STOPPT!

Und BITTE kommt nicht das erste Mal dort rüber mit 40 oder 45 Jahren und versucht eine Karriere zu starten, es sei denn ihr singt GRENZENLOS wunderschön und aufregend, dramatisch bewegend, habt eine "Nie-zuvor-gehörte-Stimme" in einem "Ich kann es besser als jeder Andere-Fach"!